B ä u m e  i n  de r  S t a d t, -

eine Strasse ist keine Allee

Vor 50 Jahren lag Mainz noch in Trümmern,-

Türme der St. Peter-Kirche waren heruntergebrochen, -

die Straßen glichen Spuren im Schutt.

Es war die Zeit, als der Stadtplaner Ernst May nach Mainz kam ,-

als städtebauliche Leitlinien für den Wiederaufbau festgelegt wurden,

als der Bau der Landesbank den Willen zum Aufbau signalisierte.

Noch waren die Mauern der „Roßkaserne“ heruntergebrannt und zerstört, -

noch waren der Kubus und die Konturen des barocken Baues nicht zu erkennen, 

noch krönte kein goldenes Ross das Portal in der Großen Bleiche. 

Aber es war auch die Zeit der Rücksichtnahme und Abstimmung, -

um ihn mit der Baumasse der Bank nicht zu übertrumpfen und zu erdrücken.

entnahmen die Architekten alten Plänen Höhen und Traufe des historischen Baues.

Die gleichlange Front gegenüber  wurde respektvoll zurückgesetzt ,-

der Straßenraum wurde geöffnet und der Blick auf die Kirche freigegeben,

für die so fehlenden, aber geforderten Räume wurde der Innenhof abgesenkt.

Durch diesen „Städtebau in Gesamtsicht“ entstand ein großzügiger Freiraum,-

die beiden stadtbildprägenden Bauten erhielten das ihnen gebührende Vorfeld, -

keine Bäume und keine Baumreihe störten diese Baueinheit und den Freiraum. 

Zerstört wird so ein Stadtbild, wenn man am Straßenrand Baumreihen pflanzt ,-

den Gebäuden werden dadurch Stolz und Persönlichkeit genommen und aberkannt ,-

der offene Freiraum wird zu einer alltäglichen Verkehrsstraße herabgezogen.

Die Bäume vor dem Museum wachsen und beginnen die Front zu verdecken,

fast unbemerkt  wurde nun auch noch eine Baumreihe gegenüber gesetzt ,-

die Veränderung  eines eindrucksvollen und reichen Stadtbildes nimmt ihren Lauf.

Straßen sind keine Alleen, - durch Baumreihen  werden Straßen lediglich enger, - , -

Bäume sind nicht an jedem Ort und jeder Stelle umweltfreundlich und nützlich, -

eine Häufung und Reihung von Bäumen schaffen weder Wald, noch eine Allee.

Darum, liebe Mitbürgerinnen und -bürger, achtet auch auf kleine Veränderungen ,- bleiben Sie aufmerksam und mit den Planern und Verantwortlichen im Gespräch,- helfen Sie mit, stadtteiltypische Besonderheiten  zu bewahren und zu gestalten.

Stadt und Baum

Begrünen. Beschützen. Erleben.

 

Wenn man von einem Baum spricht und an einen Baum denkt,dann denkt man an „den Baum in Nachbarsgarten“, an das Lied „.wo wir ins findenunter den Linden“ an Bäume im Park, auf Höhen und an Alleen, -

auch schon mal an das Sprichwort „ den Wald vor lauterBäume“ nicht zu sehen.

 

In Mainz sieht man an manchen Stellen vor lauter Bäume ganzeHäuserfronten und Bauwerke nicht mehr.

 

Irgendwie und – wann hat sich offenbar die zeitmoderneSchlagwortformel:

„Baum ist grün, Grün ist gut = gleich Bäume in die Strassen“so festgesetzt, dass auch hierfür viel zu enge und zu schmale Strassen„zugebäumt“ und dschungelartig umgeformt werden.

 

Bäume werden dabei zu dicht an Häuserwände gesetzt undgezwängt, so daß sie keinen richtigen Lebensraum finden und im reifenden Altersich ihre Lebenskraft dadurch erkämpfen müssen, dass sie ihr Baumkronen neigendund ihr „Rückgrad“ krümmend sich über die Strasse, wie z.B. an derRheinstrasse, zu beugen gezwungen sehen.

Wohnungen werden verdunkelt und die Verwaltung bringtSchilder an: „Anstoß - Gefahr“.

 

Diese unüberlegte Baumsetzmanie setzt sich auch dort fort,wo das Gesicht der Stadt geprägt wird und die Stadt ihr Geschichtsbewusstsein zeigen sollte, - ganze Frontenhistorischer Gebäude werden ebenfalls „zugebäumt“ und  Einheit der alten Festungsstadt unkenntlichgemacht.

 

Städtebauliche Straßenerweiterungen, die durch dieKriegszerstörungen möglich wurden, - wie z.B. an der Grossen Bleiche -, werdendurch Baumsetzungen am früheren Straßenrand wieder beseitigt und geschlossen.Die Strasse wird ohne Sichtmöglichkeit auf die früher baumlosen Fronten derHäuser zu einer optisch schmalen und langen Verkehrsader ohne charaktergebenderEigenständigkeit zurückgeführt.

 

Das sind zeitbedingte Verirrungen und Gedankenlosigkeiten,die einer historischen Stadt nicht gerecht werden und nicht gut zu Gesichtstehen, - die Stadt ist gut beraten, wenn sie in sorgfältigen Überlegenwieder  die Bäume, so wie Gebäude,städtebaulich und funktionsgerecht behutsam und gefühlvoll einplanen undbaumschützend einsetzen würde.

 

Mainz sollte sich ein Beispiel an andere historischen Städtenehmen, -

Mainz sollte ihren Charakter und ihr Gesicht bewahren undbehalten.

 

03. September 2009  ,DIE ZEIT 37, S. 62, Benedikt Erenz:

“...später ließ man Bäume wuchern, die heute im Sommer das Straßenbildkomplett verdecken und mit Blätterrauschen die Kauflust stimulieren sollen –der Deutsche ist ja selbst in der Stadt am liebsten im Wald...“.