Rückkehr in die Vergangenheit

      


        

                                                                                                    23. Oktober 2013

Alte Straßen und Gassen haben ihren Reiz und stimmen auf Erinnerung ein.

Aber soll man sonnenhelle Straßenräume zurück in Enge und in ein schattenreiches Straßengefüge zwängen ?​, -
soll man den Bereich zwischen den Schillerplatz und dem Gutenbergplatz wieder schließen und zu einer Straße, einer Bus- und Verkehrsstraße,  verengen ?

Womöglich – wie in den veröffentlichten Vogelperspektiven schon dargestellt (!​) – auch zwischen dem Osteiner Hof und der Weißliniengasse ?

Wenn es den ECE-Planern dazu noch gelingen sollte, den „China-Pavillon“ aufzukaufen,
zu beseitigten und zu vergrößern, dann würde die nach dem Krieg mit der Pavillonlösung angestrebte „Freiheit“ zugunsten einer sich brutal vorschiebenden, den Domblick beseitigenden ECE-Masse aufgegeben und jegliche lebensfrohe Gestaltung des Freiraumes unmöglich gemacht werden.​.

Ein heller und großzügig gestalteter Freiraum dagegen könnte unter Erhaltung der an den Schillerplatz angrenzenden Anlage und des gegen den Gutenbergplatz abschließenden „China-Pavillons“ ein mit vielerlei kleinen, auch gewerblich genutzten, Einbauten und Ruhezonen einen gern angenommenen Aufenthalts- und Anziehungsbereich
– auch  als offener „Vorraum“ für die ECE-Geschäfte und Karstadt –
bilden, - Stadt und ECE hätten Gewinn davon.

Nur - und das wäre der Preis dafür – würden die durch das angestrebte machtvolle Vorquellen gewonnenen eingehüllten Verkaufsflächen wegfallen, fehlen und sich verringern.

Vielleicht sollten dann wiederum die  städtischen Planer, die bisher ein absolutes NEIN für eine Mitnutzung des Polizeigevierts als unumstößlich angesehen haben, doch über ihren Schatten springen und dieses Geviert in die Verhandlungen und Abwägungen mit einbeziehen, - als ihren Preis für die so gewonnene und erhaltenen „Freiheit“ zwischen Osteiner Hof und Theater, - auch für diese herausragenden Gebäude wäre dies ein Gewinn.

Es lohnt sich also, nachzudenken, - weiter nachzudenken.

Nachzudenken, wie man einerseits unserer Stadt und dem Dom- und Kernbereich eine lebenskraftstarke und menschlich frohe Gestalt und Atmosphäre geben und
andererseits den Wünschen und wirtschaftlichen Forderungen der ECE nachkommen könnte,​-  unvoreingenommen.

Unvoreingenommen im Erkennen und Wissen, dass die bisherigen Verhandlungen noch zu keiner der Stadt und den Bewohnern dienenden Lösung gefunden haben.
Aber im Willen und der Bereitschaft weiter unverzagt und geduldig nach – womöglich auch ungewöhnlichen, z.​B. ohne Garagenbauten – Lösungen zu suchen.

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Die Ludwigsmeile

Die Flaniermeile zwischen Schillerplatz, Dom und Theater

                                                                                                  Kanis, Juli 2011
      
In Mainz wächst im Zentrum der Stadt ein Einkaufsbereich zwischen dem Bahnhof am Römischen Theater und dem Hauptbahnhof heran, der in manchen Bereichen ein südländisches Wohlfühl-Flair ausweist und nach weiteren Verweilzonen und Flaniermeilen verlangt. Es fehlen nur noch eine liebevoll ordnende Hand und eine zukunftsgerichtete kleinteilige Gesamtplanung für diesen Teil der Innenstadt, – ein schlüssiger Plan der Stadt, der für Investoren interessant und nachvollziehbar ist und die Bereitschaft zum Einordnen weckt.
Wie dringlich ein solches Durchdenken und eine Darstellung der vielseitigen Möglichkeiten sind und wie notwendig das Sichtbarwerden der Haltung und Selbstachtung und -erhaltung einer mit Recht stolzen alten Stadt ist, wird in diesem Wochen, in denen ein großes Kaufhausmanagement an sich „lebensspendend“, aber womöglich mit Großbauten versucht, in dieses Gefüge einzudringen, deutlich. Dieses Eindringen in die städtebauliche Offenheit und die Einengung der Planung auf ein eng begrenztes Areal und einzelne Gesichtspunkte verkrampft und verhärtet die Diskussion auf ein Für und Wider bis hin zu einer Vielwortdurcheinander-Sprachlosigkeit,

 – noch ist es Zeit, ruhig und vorfestlegungsfrei die Fragen und Belange des Einzelhandels, der Kunden und Gäste und die Eingliederung von großen Einkaufshäusern und -zentren zu prüfen, zu sichten und abzuwägen und Varianten zeichnerisch zur Diskussion zu stellen.

Dazu gehören vorrangig auch die Fragen und Probleme der Mobilität, – dazu einiges unter www.dwbrlp.de@kanis-kolumne:
6.10.2009 „Stadt und Touristik“ , 17.11.2009 „Einkaufszonen. Einkaufsbereiche“
„Innenstadt. Einkaufsstadt“, 25.01.2011 „Stadtgedanken 72“, 01.02.2011 „Stadtgedanken 2011“

Auch Bezeichnungen und eine Langzeit bestehende Wortwahl müssen freigestellt werden, – es handelt sich bei den städtebaulichen Betrachtungen nicht um die Ludwig s t r a ß e , sondern um einen erlebnisreichen Fußgängerbereich vom Schillerplatz bis zum Fischtorplatz und dem Rhein,
– einen sonnenhellen offenen Flanier- und Verweilbereich, 
– einer durch Bomben und Verwüstungen zusammenhängend ermöglichten milia passuum ,
- einer „römischen Meile der tausend Schritte“.
Alte Stiche, Bilder und Fotos machen deutlich, wie eng vormals die ( Verkehrs- ) Straße und wie dunkel diese Schlucht zwischen hohen Häusern der Festungsstadt war, – durch eine in den letzten Jahren durchgeführte – weiter wachsende – Verbäumung und der dadurch markierten und abgegrenzten Busspurstraße hat „man“ rückwärtsgewandt, einem „freien Leben“ entgegenwirkend, nicht nur optisch sich einem alten Zustand wieder angenähert. Noch kann man ahnen, welche Gestaltungsmöglichkeiten zwischen der jetzt bestehenden alten „Straßenkante“ und den zurückgesetzten „Blöcken“ gegenüber bestehen,
–  mit oder ohne Pavillons, mit oder ohne Überdachungen,
–  ob ein- oder zweigeschossig, 
Man kann sich bei einer sorgfältigen und menschbezogenen Planung und Gestaltung vorstellen, dass durch gärtnerisch gestaltete Freiräume und angrenzende durchlässige Verkaufsräume einerseits die notwendigen Querverbindungen entstehen und andererseits die sonnhellen und beschirmten Frei-räume zum Verweilen einladen, – zu einem mainzgemäßen Leben.
Zu diesem Leben gehören auch benachbarte, behutsam umsorgte und einbezogene Ruhe- und Besinnungszonen und -bereiche, wie der Bischofsplatz.

Die gegliederte Vielfältigkeit sollte erhalten  bleiben und auch über eine „wohnlichere“ Ordnung des Platzes vor dem Gutenberg und dem Theater nachgedacht werden. Nachgedacht werden sollte bei diesen Neuordnungsüberlegungen auch darüber, ob nicht doch der Busverkehr aus diesen Platz- und Flanierbereichen herausgenommen und umgeleitet werden kann.
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Kein Tanz auf der „LU“
                                                                     

                                                                              Kanis 10. September 2013

„Den Beschluss, die Plätze zwischen den Pavillons zu bebauen, habe die Stadt... schon vor Jahren vor dem jetzigen Projekt gefasst, erinnert Ebling.“ (AZ Monika Nellessen )  Dieser Beschluss – wenn er der denn so gefasst und rechtskräftig (?) sein sollte – würde bedeuten, dass ein „Tanz auf der LU“ und auch die „Open-Air-Fastnachtsparty“ nicht mehr stattfinden könnte.  Für den Oberbürgermeister kein Problem: „Das wird wohl so sein“.  Die heute sonnendurchflutete LU mit ihren Buchten und Pavillons lädt auch zu anderen Jahreszeiten zum Durchstreifen und Aufenthalt im Freien ein, - aber auch zum Nachdenken, wie diese breite Erlebniszone – mit oder ohne den bestehenden Alt-Pavillons – zu einem einerseits lebenspulsierenden, andererseits  geruhsamen Freiraumanziehungsbereich und attraktiven Vorfläche vor den Verkaufsstätten auf beiden Seiten gestaltet und aufgewertet werden könnte.  Dem neuen Verkaufshaus würde so ein grüner Bereich frohe Kunden bringen.  Natürlich darf und sollte es dabei nicht „zur bloßen Verlängerung der Ludwigsstraße“ kommen und nicht die jeweilige Eigenart der verschiedenen Plätze verloren gehen.  Finster – im wahrsten Sinne des Wortes – würde es, wenn der leichtfertig gefasste städtebaulich verändernde Vorgriff-Beschluss des damaligen Stadtrates Bestand behielte und durch das dann mögliche Vorquellen der Mall-Masse es zur Rückführung zu einer im Schatten der herangerückten Gebäude liegenden stark befahrenen (Busse) Verkehrsstraße kommen und der Freibereich um den Schillerplatz von dem Gutenbergplatz kaufhausdominierend getrennt und abgeschnitten werden würde.  Einer selbstbewussten, altenhistorischen Stadt würde es gut zu Gesicht stehen und ihr über die Grenzen der Stadt hinaus hohes und berechtigtes Ansehen bringen, einen städtebaulichen Gestaltungswettbewerb für den Freiraumbereich vom Schillerplatz bis zum Rhein mit allen seitlichen Wegeverästelungen und Durchgängen durchzuführen und den –willkommenen – Investoren – etwas von der Lebenskraft der Stadt und Bürger zu vermitteln und zu zeigen und den Neuankömmlingen gestalterische Richtung zuweisen.
 


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