Die Zukunft von Mainz

 

Mainz, April 2017

 

1960 - nach Bomben und Zerstörung - begann in Mainz, seit 1957 Landeshauptstadt, die Zukunft und der gelenkte Wiederaufbau mit dem ersten Großbau des Landes, der Landesbank- und Girozentrale, gegenüber dem noch in Trümmern liegenden Landesmuseum, der „Rosskaserne“, an der Großen Bleiche, - nach fachkundiger Klärung und städtebaulicher Abstimmung mit klaren und weitsichtigen städtebaulichen Zielen für die Stadt bis vor zum Rhein.

Durch die Zurücksetzung der Gebäudefront und ein platzartiges Öffnen der Straßenflucht, durch die Freigabe und Freihalten des Blicks auf die markanten Türme der St. Peter-Kirche, die Übernahme der Bauhöhen des gegenüber aufzubauenden historischen Museums,

mit einer modefernen zeitlos eigenständigen Fassadenbildung und dem zurückhaltenden Einfügen eines ruhigen Zwischenbaues

entstand eine noch heute,

wenn man das sinnwidrige und stadtbildstörende Ein- und Vorsetzen von Straßenbäumen außer Acht lässt,

in großer Selbstverständlichkeit akzeptierte, gültige und erlebbare Stadtteil-Einheit.

Dieser städtebaulichen Sorgfalt und der Rücksichtnahme auf die Eigenart und das Gesicht der Stadt folgten Jahrzehnte der Richtungsänderungen und rein wirtschaftlicher Ausrichtung:
der Mainzer Ring wurde Autobahn, Autobahnen wurden zugeführt,

der Verkehr auf der Rheinstraße und Rheinallee nahm zu, die Häfen „hochpreisig“ bebaut

das Rheinufer wurde fast vollständig zugebaut und von der Innenstadt abgetrennt.

Da wird verständlich, wenn im Frühjahr 2017 die Zeitung der Stadt einem Stadtkritiker eine ganze großformatig bebilderte vielzeilig begründete Doppelseite für das Anmahnen einer Stadtreparatur – der Fassaden, Satteldächer und Gesimse - zur Verfügung stellt.

„Stadtreparatur heißt, lebendige Stadtquartiere mit allem, was eine Stadt ausmacht, zu ermöglichen: Dichte, Vielfalt, Kleinteiligkeit, Cafés und Geschäfte, Plätze!“, -

das liest sich gut.

Nur, - es stellt sich die Frage, ist Reparatur die Zukunft von Mainz, -

hat Mainz keine zukunftsgerichtete Entwicklung mehr vor sich?

Schon einmal – wieder einmal – wurde im Januar 2012 zu Beginn der Amtszeit eines jungen Oberbürgermeisters in einer vielgelesenen Kolumne mit Blick auf Mainz nach der Zukunft der Stadt gefragt:

„Noch ist unbestimmt und unklar, wohin diese alte, ehrwürdige Stadt am Rhein steuert, es ist fraglich und noch nicht absehbar, ob sie zukunftsgesichert gesteuert wird.

Wo liegt also die Zukunft, - die Zukunft unserer Stadt:

Sie liegt eindeutig in dem menschbezogenen und menschenzugewandten Ausbau der „Unterstadt“, -

in der Entwicklung hin zu einem Fußgänger- und Einkaufsbereich,

einem zusammenhängenden innerstädtischen Bereich zum vielseitigen Einkauf,

erholsamen Aufenthalt, zum verkehrsfreien Flanieren und zum freundlichen Empfang von Gästen bis hin am und zum Rhein.

Dazu gehört die Beseitigung des brutalen Verkehrsstroms in der Rheinstraße und in der Rheinallee und des Autoverkehrs in der Großen Bleiche,

- die Entlastung und Entbindung der Theodor-Heuß-Brücke als verkehrskonzentrierende mittige Verbindung zwischen Mainz-Kastel und Mainz,

- die Schaffung einer die innerstädtischen Bereiche entlastende Verbindung zu dem neuen Wohn- und Gewerbegebiet auf der Kasteler Seite und nach Wiesbaden im Bereich und im Zusammenhang mit der Neuordnung und Bebauung im Zollhafenbereich,

- der Weiterbau der Westverbindung des Hauptbahnhofes unter (Teil-) Inanspruchnahme des bisherigen Freibereiches des Paketpostgeländes,

- die Festlegung und der Ausbau von „Auffang-Parkhäusern“ mit Zubringerdiensten am Rande der verkehrsbefreiten Innenstadt,

- am Römischen Bahnhof die Schaffung einer behindertengerechten Verbindung hinauf zur Oberstadt und dem Grüngürtel

- und langfristig die Entlastung des Mainzer Ringes vom Durchflutungsverkehr und die Rückführung auf die eigentliche Entlastungsaufgabe für die Innenstadt durch eine Abfangstrecke im Bereich Wörrstadt zu einer Autobahnbrücke bei Nierstein bis zum Verteiler Groß-Gerau für das Ballungsgebiet Rüsselsheim, Frankfurt und Darmstadt.

Wenn hierfür die Planungsziele verlässlich und weitsichtig ausgerichtet werden

und dabei über eine moderne und verbesserte Mobilität mit den heutigen und zukünftigen Möglichkeiten nachgedacht und diese vorausgesetzt und konsequent eingeplant werden,

dann – und dann erst – kann auch der Aus- und Umbau eines innerstädtischen Teilbereiches mit einem neuen „Einkaufs-Zentrum aus einer Hand“ nachgedacht und die erforderliche Kleinteiligkeit und Erschließungsvielfalt durchdacht und stadtgerecht beschlossen werden.

 

Wenn eine Stadt den festen Willen und die Kraft auch zum Gestalten der Außenbereiche,

der „Bereiche zwischen Bauwerken und Häusern“, ideenreich und sorgsam aufbringt,

den Strom mit einbezieht und Bäume sinnvoll zu pflanzen versteht,

kann einer menschbezogenen Entwicklung getrost entgegengesehen werden, -

hat Mainz Zukunft.“