Lob und Tadel

 

Mainz, April 2017

Eine Stadt ist kein Turnverein, -

eine Stadt ist ein komplizierter Lebenskörper, der guter (Haus-) Ärzte bedarf.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind notwendig, Diagnosen müssen „stimmig“ sein,

womöglich sind Ergänzungen und Reparaturen erforderlich.Gleichgültigkeit, Resignation und Schläfrigkeit erzeugen Anspruchslosigkeit und zerstören schleichend das Gesicht einer Stadt.

 

Es ist erfreulich, wenn dann - noch rechtzeitig -  ein „Weckruf“ erschallt

und wenn die Notwendigkeit von Reparaturen erkannt und diese eingefordert werden.

Aufgabe und Verantwortung einer Zeitung sind dabei, Probleme aufzuzeigen und Fachleute, Hochschulen und Fachverbände zu Aussagen zu bewegen und zu Wort kommen zu lassen.

Es ist zu begrüßen, wenn auch Journalisten sich auf das schwierige Gebiet der Architektur und des Städtebaues wagen, sich langzeitig kundig machen und um Ausgewogenheit bemüht, zur Meinungsbildung Beiträge leisten.

Fragwürdig wird das allerdings dann, wenn die von einer „Monopol-Zeitung“ großzügig eingeräumte Ausbreitungsmöglichkeit und die journalistische Aussagekraft genutzt werden, die persönliche – rückwärts- und vergangenheitsorientierte - Meinung als „einheitlich“ und alleingültig darzustellen und bebilderte Beispiele mit Lob und Tadel zu versehen.

 

 

Da wird in einer Doppelseiten-Veröffentlichung großbebildert das eine Straßenzeile ergänzende Eckgebäude, das sich mit seiner Nordseite in Höhe und Gestaltung den Gegebenheiten unauffällig anpasst, zurückhaltend einfügt, dem Holzturm seine hervorgehobene Sonderstellung belässt und schließlich mit einer abgerundeten Glasfront eigenständig abschließt, als schlechtes Beispiel bezeichnet und herausgestellt.

 

 

 

 

Der "Klotz am Hafen" - Ja, in einer Siedlung, in einer Straße...

 

Dagegen wird ein (zu) hoher, (zu) breit vorgelagerter und sperriger Wand-Loch-Baukörper, der eng vor der Drehbrücke und der Landzunge des Winterhafens direkt an dem bisher als Eckpunkt dienenden historischen Barockbau angebaut wurde,die sich um Offenheit und Fröhlichkeit bemühende Hafenbebauung mit einer anderen Fassadenausbildung „ergänzt“ und den Übergang zu den sich öffnenden Freiflächen vor den zurückgesetzten Hotelbauten und dem Fort Malakoff verstellt,

als „vergleichsweise bestes Gebäude“– mit einem raffiniert fotografierten Detail-Ausschnitt - lobend herausvorgehoben und der massive städtebauliche Eingriff als „stimmig“ bezeichnet.

Erdrückende "Angleichung" Hoher Riegel

 

Mit solchen städtebaulich unstimmigen Reparatur-Aussagen werden Bürger und Laien  verunsichert, mit ihrer natürlichen Urteilsfähigkeit zurückgestoßen und ins Abseits gestellt.

 

Aber auch hier ist, wie auch sonst im Leben, das Geschehene erst einmal hinzunehmen und das Positive darin zu suchen und zu fragen: wer weiß, wozu es gut ist.

 

Eng angebaut - Der Blick von der Brücke, dem Biergarten und der Landzunge wird verriegelt. Der Blick "ins Freie", auf alte Mauern, und Gebäude (KUZ) und auf Freiflächen wird verstellt

 

Gut ist und wäre es, wenn es nicht bei so einem großformatigen Architektur-Verriss bliebe, sondern diese kritiklose Kritik-Veröffentlichung als „Weckruf“ und Auftakt zu einer vielseitigen Betrachtung des Baugeschehens und der Zukunft unserer Stadt dienen und die Zeitung sich in der Verantwortung der Stadt gegenübersehen und regelmäßig und ausreichend Platz für freimütige Auseinandersetzungen und Vorschlägen einräumen und Fachleute und Bürgern zu Wort kommen ließen, -

der Zukunft, der Entwicklung und dem Ansehen der Stadt dienend.

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